eine Grafik zu Fenstern einer Rettungswache ©UK NRW | BGW

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Fenster m√ľssen so gestaltet sein, dass sie sowohl beim √Ėffnen und Schlie√üen als auch in ge√∂ffnetem Zustand keine besonderen Gef√§hrdungen f√ľr Mitarbeitende darstellen.

Verletzungsgefahren beim Anstoßen, Quetschen

Bei Fenstern mit Drehfunktion besteht die Gefahr, dass ge√∂ffnete Drehfl√ľgel in Aufenthalts- oder Verkehrsbereiche hineinragen und jemanden verletzen k√∂nnen.

Unkontrollierte Bewegungen von Fl√ľgeln k√∂nnen z. B. durch D√§mpfungseinrichtungen, Auffangb√ľgel, mechanische oder elektrische Verstelleinrichtungen vermieden werden. Alternativ k√∂nnen Fenster auch mit abschlie√übaren Kipp-Dreh-Beschl√§gen ausgestattet werden.

Bei Schwingfl√ľgeln empfiehlt es sich √Ėffnungsbegrenzer anzubringen, damit ein √úberschlagen verhindert wird. Bei Schiebefenstern haben sich Vorrichtungen bew√§hrt, durch die der Schlie√üvorgang so abgebremst wird, dass Verletzungen durch Einquetschen verhindert wird.¬†

Griffe und Bedienhebel von Fenstern sind so anzuordnen und sollen so beschaffen sein, dass sie leicht erreicht und gefahrlos bedient werden können.

Die sichere Beschaffenheit und Anordnung von Beschlägen wird gewährleistet, wenn folgende Aspekte bei der Auswahl und Montage beachtet werden:

  • Verwendung gerundeter Griffe und Hebel
  • Griffe und Hebel sind in einem Abstand von mindestens 2,5 cm zur Gegenschlie√ükante bzw. zu feststehenden Gegenst√§nden anzuordnen
  • Hebel f√ľr Oberlichtfl√ľgel sind zur√ľckversetzt in der Fensternische anzubringen. Der Abstand zu angrenzenden Bauteilen muss mindestens 2,5 cm betragen
  • Griffe und Hebel sind von einem sicheren Standort aus zu bet√§tigen
Vermeidung von Verletzungen bei Glasbruch

Um Unf√§lle durch splitterndes Glas zu vermeiden, m√ľssen beginnend bei der Bauplanung, √ľber die Montage, Wartung bis hin zur Nutzung alle sicherheitsrelevanten Aspekte ber√ľcksichtigt werden (DGUV-Information 208-014 ‚ÄěGlast√ľren, Glasw√§nde‚Äú). Arbeitgeber haben bereits bei der Auswahl der einzusetzenden Materialen im Rahmen der Gef√§hrdungsbeurteilung die Nutzung und Einbausituation zu ber√ľcksichtigen. Dies gilt insbesondere f√ľr die Auswahl der Glasart (Technische Regeln f√ľr Arbeitsst√§tten ASR A1.6 ‚ÄěFenster, Oberlichter, lichtdurchl√§ssige W√§nde").

Bei nicht abgeschirmten Glasfl√§chen, z. B. feststehende Verglasungen unter Fenstern, m√ľssen Sicherheitsanforderungen gem√§√ü DIN EN 12600 erf√ľllt werden, z. B. durch Verwendung von Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) oder Verbund-Sicherheitsglas (VSG).

Eine Abschirmung wäre z. B. ein Geländer mit einer Höhe von mindestens 1 m und einer Knieleiste in 50 cm Höhe.

Glasflächen, die nicht aus Sicherheitsglas bestehen, können alternativ durch fachgerechtes und ganzflächiges Aufkleben von geeigneten Splitterschutzfolien gesichert werden. Hierbei ist die zeitlich begrenzte Schutzwirkung (Herstellerangaben) der Splitterschutzfolien zu beachten.

Absturzsicherung

Sofern Arbeitspl√§tze oder Verkehrswege an Fenster grenzen, deren Br√ľstungsh√∂he zur Absturzsicherung nicht ausreichend ist und eine Absturzgef√§hrdung besteht, muss eine andere st√§ndige Sicherung gegen Absturz vorhanden sein (ASR A1.6 ‚ÄěFenster, Oberlichter, lichtdurchl√§ssige W√§nde‚Äú).

Feststehende Verglasungen unter Fenstern, die bis zum Boden reichen, m√ľssen folgende Bedingungen zur Absturzsicherung erf√ľllen:

  • Das Glaselement unter dem Fenster muss den Anforderungen der DIN 18008-4 entsprechen.
  • Es muss ein feststehendes Glaselement mit einer H√∂he von mindestens 1 m bzw. 1,10 m H√∂he (bei ‚Č•12m Absturzh√∂he) vorhanden sein. Bei niedrigeren Glaselementen kann die H√∂he durch ein von au√üen angebrachtes Gel√§nder ausgeglichen werden.

Bis zum Fu√üboden reichende Fenster m√ľssen folgende Bedingungen erf√ľllen:

  • Bei Absturzgefahr ist der Einbau einer Verglasung gem√§√ü den Anforderungen der DIN 18008-4 notwendig
  • Besteht keine Absturzgefahr, muss die Verglasung des Fensters den Sicherheitsanforderungen gem√§√ü DIN EN 12600 gen√ľgen, z. B. Verwendung von Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) oder Verbund-Sicherheitsglas (VSG)
Sonnenschutz

Damit bei Sonneneinstrahlung Mitarbeitende vor Blendung und erh√∂hten Raumtemperaturen gesch√ľtzt werden, sollten wirksame Sonnenschutzeinrichtungen vorhanden sein.

Wärmeschutzeinrichtungen sollten an der Gebäudeaußenseite angebracht werden. Ein Blendschutz kann sowohl innen als auch außen wirkungsvoll sein.

Als W√§rmeschutz kann Sonnenschutzglas verwendet werden, das der √úberhitzung von Innenr√§umen entgegen wirkt, ohne den Raum zu verdunkeln. Es kann entweder als alleiniger Sonnenschutz oder in Kombination mit anderen Verschattungs- und K√ľhlungssystemen verwendet werden. Einen Blendschutz bieten Sonnenschutzgl√§ser nicht.

Der Grad der Sonnenschutzwirkung bei Glas wird durch den Gesamtenergiedurchlassgrad, den g-Wert, bestimmt. Je kleiner der g-Wert, desto höher ist die Sonnenschutzwirkung. Der g-Wert von modernen Sonnenschutzgläsern liegt im Bereich zwischen 0,23 und 0,38.  Zum Vergleich haben normale Fenster, z. B. mit Zweifachverglasung, einen g-Wert von ca. 0,6.

Fensterreinigung

Bei der Planung von Glasfassaden, Fenstern und √úberkopfverglasungen ist generell zu ber√ľcksichtigen, dass eine sicherheitsgerechte Reinigung erm√∂glicht wird.

Die Reinigung oder Instandhaltung von Fenstern, Dachoberlichtern und lichtdurchlässigen Wänden muss von einer sicheren Standfläche mit ausreichendem Bewegungsfreiraum aus erfolgen können. Diese kann dauerhaft oder zeitweilig bei Bedarf eingerichtet sein.

Sichere Standflächen sind z. B.:

  • Reinigungsbalkone,
  • Befahranlagen oder
  • Standroste mit Anschlageinrichtungen f√ľr Pers√∂nliche Schutzausr√ľstung gegen Absturz (PSAgA).

Sind solche sicheren Standfl√§chen nicht vorhanden, k√∂nnen Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten z. B. auch von Hebeb√ľhnen und Ger√ľsten durchgef√ľhrt werden, wenn die baulichen Voraussetzungen und geeignete Aufstellfl√§chen gegeben sind.

Hochziehbare Personenaufnahmemittel (z. B. Arbeitsk√∂rbe, Arbeitsb√ľhnen und -sitze) d√ľrfen nur nachrangig in exponierten Teilbereichen eingesetzt werden, wenn sichere Standpl√§tze nicht einrichtbar sind.

Folgende weitere Kriterien sind bei der Fensterreinigung zu beachten:

Tragbare Leitern als hochgelegener Arbeitsplatz d√ľrfen nur verwendet werden, wenn Besch√§ftigte mit beiden F√ľ√üen auf einer Stufe oder Plattform stehen und der Standplatz auf der Leiter nicht h√∂her als 5 m √ľber der Aufstellfl√§che liegt (TRBS 2121 Teil 2). Die Dauer der durchzuf√ľhrenden Arbeiten auf der Leiter sollte arbeitst√§glich zwei Stunden nicht √ľberschreiten (TRBS 2121 Teil 2).

Fensterb√§nke d√ľrfen nur als Trittfl√§che benutzt werden, wenn sie ausreichend tragf√§hig sind und eine Absturzsicherung vorhanden ist.

Absturzsicherungen (Seitenschutz) können aus Geländern oder Fenstergeländern bestehen.

Pers√∂nliche Schutzeinrichtungen gegen Absturz d√ľrfen nur an tragf√§higen Bauteilen bzw. Anschlageinrichtungen befestigt werden.

Die Anschlageinrichtungen m√ľssen eine Sto√ükraft von 7,5 kN je Benutzerin/Benutzer aufnehmen k√∂nnen.

Reinigungsbalkone m√ľssen eine Mindestbreite von 0,50 m haben. Das Lichtraumprofil sollte 0,50 m Breite x 2,00 m H√∂he betragen.

Bei der Verwendung von Leitern auf Reinigungsbalkonen m√ľssen dauerhaft installierte Anschlagpunkte zur Absturzsicherung vorhanden sein. Konstruktionen mit beweglichen Anschlagpunkten sind Einzelanschlagpunkten vorzuziehen. Die Anschlagpunkte sollten mindestens 1,00 m oberhalb der Standfl√§che des Besch√§ftigten angeordnet sein.

Anschlagpunkte m√ľssen von einem gesicherten Bereich erreichbar sein.

Um eine aufwändige Fensterreinigung zu vermeiden, sollten bei der Planung Möglichkeiten zur Reinigung von innen bedacht werden.


Hinweis:

Technische Regeln f√ľr absturzsichernde Verglasungen (TRAV) BAUAUFSICHTLICH ABGEL√ĖST DURCH DIE DIN 18008-4

Stand: 08/2023
Webcode: w178