Fit im Rettungsdienst

RW Fit im Rettungsdienst

Ungefähr 40 Prozent der Erwachsenen in den westlichen Industriestaaten leiden unter Rückenschmerzen. Zumeist verschwinden diese nach einigen Wochen von allein. Doch bei etwa zehn Prozent bleiben sie – die Schmerzen sind dann chronisch.

Immerhin ungefähr fünf Prozent der Betroffenen werden zu Problemfällen. Dies betrifft auch Einsatzkräfte im Rettungsdienst. Nicht umsonst arbeiten Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten bzw. Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter durchschnittlich nur neun bis zehn Jahre in ihrem Beruf.

Anatomie der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule gleicht in ihrer Stabilität dem Mast eines Segelbootes, der in der Lage ist, enorme Dehnungsdruck-Kräfte zu ertragen. Sie ist biegsam und ständigem Druck und Zug ausgesetzt.

Ermöglicht wird dies durch den Aufbau aus 24 beweglichen Wirbeln (sieben Hals-, zwölf Brust- und fünf Lendenwirbel). Zwischen den Wirbeln sind Bandscheiben gelagert. Körperliche Belastungen sind dabei für die Bandscheiben nicht zermürbend, sondern – im Gegenteil – lebenswichtig.

Das Rückgrat ist also kein durchgehender Knochen, wie etwa der Oberschenkelknochen, vielmehr besteht es aus zahlreichen einzelnen Elementen, die nur von Bändern und einem System von Faszien und kleinen Muskeln zusammengehalten werden.

Muskeln und Faszien überspannen fast sämtliche Knochen und wirken in uns mit mehr als 600 Bewegungseinheiten wie ein großes und sehr komplexes Spannungsnetzwerk. Es zieht sich bildlich gesprochen wie ein großes Bahnnetz mit verschiedenen Zuglinien, Bahnhöfen und Weichen durch unseren Körper. Ohne dieses Netzwerk würde das menschliche Skelett zusammenbrechen.

Gibt es Störungen in diesem dynamischen Netzwerk, hat dies Konsequenzen, die meist in Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen münden. Davon betroffen sind in erster Linie das Becken und die Wirbelsäule.

Auch das Nervensystem, der arterielle und venöse Bluttransport und die Organe spielen eine wichtige Rolle bei der ganzheitlichen Betrachtung von Rückenschmerzen. Jedes Ungleichgewicht in diesem komplexen System kann zu Fehlregulationen oder Kompensationen führen, die auf Dauer ebenfalls Probleme bereiten können.

Belastungen

Durch schweres Heben und Tragen im Rettungsdienst und die damit verbundene körperliche Belastung des Muskel-Skelett-Systems sind erhöhte Anforderungen an den Trainingszustand zu stellen.

In diesem Zusammenhang ist es empfehlenswert, ein wirksames Rückentrainingsprogramm durchzuführen.

Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel in Form eines geeigneten Übungsprogramms, sorgt nicht nur dafür, dass die Muskulatur gefordert wird, sondern auch dafür, dass

  • die Faszien geschmeidig und
  • die Körperflüssigkeiten im Fluss bleiben,
  • der Müll und die Nährstoffe abtransportiert werden,
  • der Stoffwechsel angeregt und
  • der Informationsfluss gefordert wird und
  • die Organe in ihren Behältern beweglich bleiben.

In Übersichtsstudien zum Thema „betriebliches Gesundheitsmanagement“ konnte zudem in Bezug auf Rückenschmerzen gezeigt werden, dass vor allem Bewegungsprogramme für den Rücken die höchste Effektivität und Nachhaltigkeit haben.

Zudem macht es Sinn, den Stoffwechsel zu verbessern, um positiven Einfluss auf das Gewicht der Beschäftigten im Rettungsdienst zu nehmen.

Um diese Möglichkeiten für die Gesundheit der Rettungskräfte zu nutzen, hat die Unfallkasse NRW eine Broschüre mit dem Titel „Fit im Rettungsdienst – Informationen und Trainingsprogramm zur Rückengesundheit“ erstellen lassen.


Training der Unfallkasse NRW

Die Broschüre beinhaltet als zentrale Bestandteile ein in der Rettungswache durchführbares Trainingsprogramm und eine auf aktuellen Erkenntnissen beruhende Ernährungsberatung.

Das Trainingsprogramm ist so konzipiert, dass die Teilnehmenden eigenständig anhand von Übungskarten in verschiedenen Gruppen oder auch allein trainieren können. Auf den Übungskarten werden Übungen für verschiedene Muskelgruppen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden dargestellt.

Das Trainingsprogramm dauert, je nach Anzahl der ausgewählten Karten, zwischen acht und 15 Minuten und kann somit auch gut in den Dienstalltag integriert werden.

Verbesserung des Stoffwechsels

Es ist gesichert, dass Übergewicht bzw. Adipositas die Entstehung und Chronifizierung von Rückenschmerzen begünstigt.

Die schnellste und effektivste Methode, um das anvisierte Ziel – weniger Fett, mehr Muskeln – zu erreichen, soll das sogenannte High-Intensity Interval Training (Hochintensives Intervall-Training, HIIT) sein. Es besteht aus Intervallen kurzer, aber intensiver Übungen, die von weniger intensiven Übungseinheiten oder Trainingspausen unterbrochen werden.

Wissenschaftliche Studien nahmen das HIIT bereits unter die Lupe. Schon nach achtwöchigem Training hatten die Testpersonen einen großen Teil ihres Bauchfettes verloren.

Sinnvolle Ernährung

Eine sinnvolle Ernährungsform zur Regulierung des Blutzuckerspiegels und somit eine Verbesserung des Stoffwechsels stellt die LOGI-Methode (Low Glycemic and Insulinemic Diet) dar.

Sie ist eine

  • wissenschaftlich fundierte,
  • alltagstaugliche,
  • gut schmeckende,
  • nachhaltige,
  • kohlenhydratreduzierte,
  • eiweiß- und fettbetonte

Ernährungsweise.

LOGI bedeutet eine Umstellung auf eine zucker- und stärkereduzierte Kost, die aber keine radikale Umstellung der Ernährungsgewohnheiten notwendig macht. Vielmehr basiert sie auf den traditionellen Grundnahrungsmitteln und ermöglicht bei sehr hoher Nährstoff- und geringer Energiedichte eine dauerhaft vollwertige Ernährung.

LOGI ist also keine kurzfristige Diät, sondern als lebenslange Ernährungsweise konzipiert. Sie umfasst dabei alles, was nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen in einer gesunden Ernährung enthalten sein soll. Sie ist zudem sehr gut in den Alltag zu integrieren, ein Aspekt, dem gerade im Rettungsdienst eine besondere Bedeutung zukommt.

Stand: 02/2019